Adventskalender Tür #10: Weihnachtsgeschichte

tumblr_mybcjszl051rmrm2ho1_1280Auf die Gefahr hin das die Satire mißverstanden werden könnte – mit etwas Eigenironie gewürzt im Hinblick auf Vergangenes – anlässlich der heutigen Weihnachtsfeierlichkeiten der GÖ-LINKE inkl. Grünkohlessen eine sozialistische Weihnachtsgeschichte:

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

ich übermittle euch die sozialistische Weihnachtsgeschichte, wie sie uns von den Spionen in imperialistischen Reihen mitgeteilt worden ist. Auf Veranlassung des Genossen Staatsratsvorsitzenden ist dieser Text von mir unter Berücksichtigung der marxistisch-leninistischen Lehren in eine mit dem Sozialismus übereinstimmende Form gebracht worden, um so den Arbeitern und Bauern unseres Landes als „sozialistisch-weihnachtliche Jahresenderzählung“ kurzweiliger Unterhaltung zu dienen.
 

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass eine von der Volkskammer einstimmig beschlossene Verordnung in Kraft trat, dass alle sozialistischen Bruderstaaten geschätzt würden. Und diese Schätzung war nicht die erste und geschah zur Zeit, da der Genosse Walter Ulbricht Staatsratsvorsitzender der DDR war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seinem Bezirk (und natürlich eine jede in ihrem Bezirk).
 
Da machte sich auf auch Josef aus Georgien, aus der Stadt Gori, in das sozialistische Land zur Stadt Karl Marx‘, die da hieß Karl-Marx Stadt Ortsteil Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Karl Marx‘ war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die auf dem besten Wege war die sozialistische Gesellschaft zu vermehren.
 
Und als sie dort ankamen mit ihrem Trabant 601S, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Wegwerfwindeln (hergestellt im VEB Schief-Gewickelt) und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten, wie an allen Urlaubsorten der DDR, sonst keinen Platz in der H-Null Gaststätte.
 
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem LPG-Gelände bei den Hürden, die hüteten in der Nachtschicht ihre Herden. Und der inoffizielle Mitarbeiter des MfS trat zu ihnen, und die Klarheit der Staatssicherheit leuchtete um sie; und sie fürchteten sich gewaltig.
Und der IM sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk, außer den imperialistischen, antidemokratischen Völkern des Westens, widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Erich, der Herr, in der Stadt Karl Marx‘.
 
Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Wegwerfwindeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Und alsbald war da bei dem IM die Menge der staatlichen Heerscharen, die lobten die Sowjetunion und sprachen: Auferstanden aus Ruinen ist das deutsche Vaterland! Ehre sei dem Politbüro in Berlin und sozialistischer Frieden auf Erden bei den Proletariern ihres Wohlgefallens.
Und als die inoffiziellen Mitarbeiter von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Bescherung sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
 
Und sie kamen schön gemütlich und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegend. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
Und als acht Tage um waren und man für das Kind für sein erstes Auto bestellen wollte, gab man ihm den Namen Erich, wie er genannt war von der Staatssicherheit, ehe er im Mutterleib empfangen war.“

 

 

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