Göttinger Tageblatt? Braun drauf geschissen!

Heute lese ich den Artikel vom 24.1.12 „Ella Bülow: NSDAP-Mitgliedschaft seit 1937“ im Göttinger-Tageblatt, es geht um die Benennung von Straßennamen und das nach langer Diskussion

die Stadtverwaltung über das Bundesarchiv bei anstehenden Ehrungen, wie Straßenbenennung oder Gedenktafeln, eine Mitgliedschaft der betreffenden Person in der NSDAP prüft

Für dieses Thema sensiblisiert wurde ich schon vor sehr langer Zeit von Künstler*innen im Hemshof in Ludwigshafen bei Perfomance und Ausstellung irgendwann im 20. Jahrhundert über IG-Farben (damals Zyklon B Produzent, heute unter den Namen Agfa, BASF und Bayer eher geläufig). Künstler*innen die in jüngster Zeit zeigen wie nachhaltig sie sich der Wehr gegen (Neo)Nationalsozialismus verschrieben haben – Ein Beispiel das Büro für angewandten Realismus die sich immer noch mit Nazi-Straßennamen herumschlagenhttp://www.aig-antik.de/aufruf.html und deren Künstler jüngst in einschlägigen deutsch-nationalen (braunen-scheissdrecksfascho) Blogs an Leib und Leben bedroht wurden (ich verlinke den angedrohten Pogrom bewusst nicht).

back to topic:
Soweit so gut der gestrige Beitrag im Göttinger Tageblatt: Mal ein relativ langer Artikel für die Online Ausgabe des GT – für meine Begriffe gut rechercheriert und wohl formuliert vom verantwortlichen Autor Michael Brakemeier. Wären da nicht die üblichen, anonymen Kommentartoren und da heißt es:

Das ist wirklich keine leichte Abwägung – zumal die meisten Toten ja nur Juden, Russen, Schwule, Sozialdemokraten, Kommunisten usw. oder sogar alles zugleich waren.

Das mag jetzt aus dem Zusammenhang gerissen sein, wohl kann es vom Kommentaror ironisch gemeint sein wenn man den Text im Ganzen liest. Und doch bleibt mir die Spucke weg bei dieser Form der Meinungsäusserung, egal in welchem Zusammenhang. Es ist des GT redaktionelle Entscheidung, nicht meine – obgleich ich anders entscheiden würde und den Kommentar entfernen und dem User die erste von drei Verwarnungen aussprechen würde. Soll er (von mir aus auch sie) sein Blog, Facebook oder sonstwo mit der artigen Textpassagen Leser*innen beglücken. Aber: Nicht meine Entscheidung und auch nicht meine Verantwortung! Gelegentlich nimmt das GT seine Verantwortung wahr, meist wird dann gelöscht mit dem Hinweis das ein Beitrag entfernt wurde da er nicht den Nutzungsbedingungen entsprach.

Warum so angepisst, Uli?
Naja, wenn die Kommentare zu o.g. Beitrag im Ganzen liest fällt auch etwas weiter unten ein gesetzter Hyperlink auf eine werbliche und gewerbliche Seite auf. Dazu gibt es eine persönlich erlebte Zote die ich kurz schildern möchte:
Das Göttinger Tageblatt veröffentlichte vor einiger Zeit einen Artikel über die Piratenpartei Göttingen „Piraten: Von Null auf Fraktionsstatus“ den ich damals mit „Die Gründe die zu meinem Austritt führten http://uli-e.de/?p=2764“ kommentierte. Kurze Zeit danach erhielt ich eine Email von der Redaktion des Göttinger Tageblatt, mir wurde mitgeteilt das mein Kommentar enfernt wurde da er nicht den Nutzungsbedinungen entspricht und einen werblichen Link enthält. Darauf hin schrieb ich zurück und bat darum alle von mir bisher veröffentlichen Kommentare auf der Webpräsenz des Göttinger Tageblatt zu entfernen und meinen Account „uli-e“ dort zu löschen. Der Bitte wurde entsprochen.

Und wo ist jetzt das Fass das du aufmachst, Uli?
Das Fass ist ohne Boden – es ist schon offen. Nach welchen Kriterien das Göttinger Tageblatt Kommentare unterdrückt oder zulässt ist für mich nicht mehr nachvollziehbar – ich würde, milde ausgedrückt, von Willkür sprechen – tue ich aber nicht. Das Göttinger Tageblatt hatte vor einiger Zeit die Registrierungspflicht vor das kommentieren gesetzt, was ich damals sehr begrüsste – damit hat die Redaktion die Nutzung vom im Netzjargon sogenannten Sockenpuppen (Fake-Account oder Multiaccount) eingeschränkt bzw. erschwert. Es wurde ruhiger kommentiert, viel seltener mussten Kommentare gelöscht werden, es ging sachlicher zu. Es wurden eben jene abschreckt – da eine Verknüpfung mit einer Email-Adresse schon etwas mehr an Energie zum kommentieren bedarf. Nebenbei, darf ich vermuten wurden die ~10 redaktionellen Mitarbeiter*innen des Göttinger Tageblatt entlasstet und hatten wieder mehr Arbeitszeit für Recherche und was ein Journlist*innen-Alltag sonst noch beinhaltet frei.

Einschlägige Kommentare
Schaut man heute genauer aufs Podium der Kommentare liest man zu Castor-Artikel, zu Abschiebungen, zu Demos und zu „falschen Fakten“ genau den selben Rotz wie vor der Registrierungspflicht. Siehe oben ist da nur ein Bruchteil der empathielosen Ergüssen – aber sie bleiben so stehen, andere Kommentare werden entfernt. Wie gesagt hier deutet sich keine Willkür an, es wird rechter Rotz geduldet und vermeintlich linker ausgeblendet. Sarazins dürfen reden – Luxemburgs nicht. Na dann.

Und wo bist du denn tolerant, Uli, hä wo?
Toleranz ist ertragen/aushalten. Ich ertrage die Kommentare beim GT. Ich ertrage die Artikel des GT. Ich ertrage auch die Artikel des Polizeireporters Jürgen Gückel, auch wenn sie mal vor, mal zurück und jüngst wieder vor rudern – also erst mal unrflektiert (vorrudern) ein Polizeibericht zu mutmasslichen Bombenattentaten (es war ne Tube Pattex oder der Wasserkocher) ins Netz stellen und dann nach gut einem Jahr erschreckt verstellen das sie von Schünemann und CO mit falsche Fakten (zurück rudern) bestückt wurden und jüngst dann wieder Polizeigewalt in der Universität rechtfertigend schildern, wieder den gleichen Fehler begehen und unrefleketiert die politisch motivierten Polizeiberichte 1zu1 veröffentlichen (vorrudern).
Wie gesagt ich tolerier das. Und nebenbei, der Polizeireporter Gückel ist mir vor kurzem sehr sympatisch rüber gekommen – er war auf der Podiumsdikussion: Medienlandschaft in Südniedersachsen. Brauchen wir noch Alternativmedien? anlässlich des fünfjährigen Jubiläums von Mosters of Göttingen. Im Nachhinein frage ich mich allerdings wieviel Kreide hat der Redakteur des Göttinger Tageblattes an diesem Abend gekaut.

Und wo bist du denn intolerant, Uli?
Hier. Und ab jetzt. Jedes Wochenende muss ich aus meinem Briefkasten die werbliche und gewerbliche Schrift GöttingenKOMPAKT rausholen, ich lese sie nicht, ich hab sie nicht bestellt und auf meinem Briefkasten steht die eindeutige Nutzungsbedingung HIER KEINE WERBUNG.

Nun gibt es da wohl ein Urteil das mich dennoch dazu verpflichtet Werbetreibenden eine Sammelstelle für Altpapier in Form meines Briefkasten zu geben, aber auch das hat einen Haken. Denn darauf folgte ein weiteres Urteil (4. Zivilkammer des Landgerichts Lüneburg Urteil, 4 S 44/11), man muss der Verwendung des Briefkasten dem Absender eindeutig widersprechen. Gesagt, getan – im Anschluss die Nachricht an das Göttinger Tageblatt sich anderorts zu entfallten.
Vielleicht überraschen mich die Leute vom GT ja und legen einer ihrer nächsten Ausgaben ein Merkblatt & Aufkleber bei: Werbung Nein Danke – GöttingenKompakt ja bitte! und lassen die potenziellen Leser*innen selbst entscheiden. Vielleicht überrascht mich das GT ja auch inhaltlich mal wieder – und vielleicht wird so Vertrauen zurück gewonnen. Eines solltet ihr Journalisten trotz meines mitunter konfusen, mal auch als aggresiv verstanden Schreibstils wissen: Wenn euch die Meute mal hetzt und sei sie braun oder in Uniform – meine Zivil-Courrage ist euch sicher auch wenn ich nicht immer mag was ihr macht!

Man liest sich, vielleicht.
Uli

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