27. Januar: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

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Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Marianne und Petra Rosenberg erinnern an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma – Konzert und Lesung

Freitag, 27. Januar 2012, 20 Uhr
Aula am Waldweg, Waldweg 26, Göttingen

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ werden Marianne und Petra Rosenberg in Göttingen an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma erinnern. Die Gedenkveranstaltung beginnt am Freitag, 27. Januar 2012, um 20 Uhr in der Aula am Waldweg, Göttingen, Waldweg 26. Auf Wunsch der Mitwirkenden ist der Eintritt kostenlos. Kartenreservierung ist jedoch unbedingt erforderlich unter: 27.Januar|ät|web|punkt|de oder DGB Göttingen, Telefon (0551) 44097. Spenden sind zur Deckung der Kosten erwünscht.

Marianne Rosenberg liest aus ihrer Autobiographie „Kokolores“. Ihre Schwester Petra Rosenberg liest aus den Erinnerungen ihres Vaters Otto Rosenberg „Das Brennglas“. Ferenc Snétberger spielt Gitarrenimprovisationen aus seinem Werk „Themes for my people”, das er den ermordeten Sinti und Roma gewidmet hat und das 2007 zum Tag der Befreiung im Haus der Vereinten Nationen in New York aufgeführt wurde, und begleitet Marianne Rosenberg bei themenbezogenen Chansons.

„Die Sinti und Roma, die den NS-Völkermord überlebt haben“, sagt Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, „sind durch ihre traumatischen Erfahrungen so nachhaltig geschädigt worden, dass ihr Vertrauen in die bundesrepublikanische Gesellschaft gestört ist. Aber auch das Bewusstsein der zweiten und dritten Generation ist von der Erfahrung geprägt, Teil einer Minderheit zu sein, die von der völligen Vernichtung bedroht war und immer noch in hohem Maße unter Diskriminierung zu leiden hat.“

Ihre Schwester Marianne Rosenberg gehört zu den bekanntesten deutschen Sängerinnen. Seit drei Jahrzehnten kennt man ihre Lieder, ihr Leben ist dennoch wenig öffentlich: „Mein Weg erschließt sich aus der Geschichte unserer Familie“, schreibt sie in ihrer Autobiographie „Kokolores“. Der Vater, selber Musiker, entdeckte früh ihre Stimme und förderte ihr Talent. „Die Schicksale derer, die nicht überlebt hatten, begleiteten uns. Für meinen Vater war es ein Segen, dass ich sang, denn die Zeit der Almosen und Entbehrungen, der verlorenen Kämpfe um die ‚Blutgelder‘ war vorbei.“ Heute singt sie Jazz und Chansons. „Singt sie“, so die FAZ, „in kaum erträglicher Intensität. Singt Gefühle, die ein Leben jagen.“. „Sing mit dem Herzen“, hatte ihr der Vater gesagt.

Otto Rosenberg, geboren 1927 in Ostpreußen und aufgewachsen in Berlin, schreibt in seinen Erinnerungen: „Wir waren seit jeher, solange ich denken kann und nach allem, was mir erzählt worden ist, deutsche Sinti. Wir waren nicht reich, wir hatten das Nötige, wir haben in Frieden gelebt. Und dann eines Morgens, es kann früh um vier, fünf Uhr gewesen sein, wurden wir durch SA und Polizei aufgeschreckt: ‚Los, anziehen! Schnell, schnell!‘ Ich war gerade neun Jahre alt geworden.“

Für die Olympiade 1936 sollte Berlin ‚zigeunerfrei’ sein. Familie Rosenberg wird in Berlin-Marzahn in eines der ersten kommunalen Zwangslager für rassisch Verfolgte gesperrt. Tausende werden von hier aus in die KZ verschleppt. Kurz vor seinem 16. Geburtstag sitzt Otto Rosenberg in einem Zug voller Kinder. Fein gekleidet, mit Stullentäschchen und Mappen. Sinti-Kinder, Roma-Kinder, ich weiß es nicht. Süße Gesichter, alle so sechs, acht Jahre alt, der ganze Waggon war voll. So kam ich in Auschwitz an.“

Otto Rosenberg hat Auschwitz überlebt, Buchenwald, Dora, Bergen-Belsen. Er hat den Tag seiner Befreiung erlebt. Bis zu seinem Tod 2001 kämpfte er für die Rechte der Sinti und Roma, ihre Anerkennung als Verfolgte des NS-Regimes. 500.000 Sinti und Roma fielen dem NS-Völkermord zum Opfer. Auch heute noch ist der Alltag vieler Sinti und Roma in Deutschland von Ausgrenzungserfahrungen geprägt.

Es wird ein sehr persönlicher Abend, an dem Marianne Rosenberg und Petra Rosenberg an ihren Vater erinnern.

Veranstalter sind das Bündnis „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – 27. Januar“ in Kooperation mit dem Methodenzentrum Sozialwissenschaften, Universität Göttingen.

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Kostprobe aus der Autobiografie von Marianne Rosenberg

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