Von Piraten, Sarazenen und Sarrazinen

Update 8.1.2012 (das keines ist): Bis heute keine Stellungnahme der Piratenpartei Göttingen – wer auf aussitzen setzt – sollte nicht vom widersetzen reden.

Eine Offenlegung meiner Gründe die zum Austritt aus der Piratenpartei-Göttingen geführt haben.

Beim Aufsetzen des Wahlprogramm der Piratenpartei Göttingen war ich beteiligt, an allen Sitzungen und Treffen zum erarbeiten des Programms im Zeitraum April bis Anfang Juni ’11 war ich dabei und brachte mich ein. Zwei Punkte im Wahlprogramm der Göttinger Piraten hatte ich verfasst – Umwelt / Atomstrom – und – Migration / Inklusion statt Integration. Die Rohfassung hier. Am Samstag den 28. Mai sollte ein letztes Piraten-Treffen stattfinden und das Programm redaktionell zum Abschluss gebracht werden: Montags darauf sollte es in Druck gehen, so zumindest der Zeitplan des Kommunalwahl-Kandidaten Martin Rieth. Zum vermeintlich letzten Treffen waren nur sehr wenige Piraten erschienen, dies waren die Kandidaten Martin Rieth, Dr. Meinhart Krischke Ramaswamy, Dr. Tobias Schleuss und Johannes Rieder als auch ein Beisitzer aus dem Vorstand Erich Wutschke und ich als Basispirat. Da wir nur wenige bei diesem Treffen waren einigten wir uns darauf, dass beim Stammtisch am Montag den 30. Mai nochmal alle Inhalte von den Mitgliedern abgesegnet werden sollten.

So traf man sich Montags und gab dem Programm den letzten Feinschliff – meine Programmpunkte wurden detaillierter ausgearbeitet, Erich Wutschke fügte eine Erklärung zu Inklusion ins Wahlprogramm, Tobias Schleuss, Kandidat in Geismar, setzte sich mit mir gemeinsam noch mal hin und überarbeitete den Inhalt zu Inklusion – wir fanden Formulierungen mit denen wir leben konnten. Martin Rieth erweiterte den Punkt Inklusion und wollte die Formulierung, dass die Piraten international in 42 Staaten auftreten ergänzt haben. Da es ihm die Zahl 42 angetan hat einigten wir uns darauf, dass es so in Ordnung ist und mit etwas Witz zum Denken anregt – 42 die Antwort auf alle Fragen.
Der überarbeitete Punkt Inklusion der an diesem Abend Konsens war – hier
-.

Alles war geklärt, so glaubte ich zumindest – Meinhart nahm die Daten von den Teilnehmern an, wir lasen gemeinsam noch mal drüber, Meinhart setzte sie in ein DTP-Programm – da ich bis Samstag den 4.6.11 nichts mehr gehört hatte und auch kein öffentliches Tool wie PiratenPad oder Google-Docs eine aktuelle Version beinhaltete, bat ich beim ersten Vorsitzenden Meinhart mir die Druckdatei – hier – zu übermitteln.

Dabei achtete ich darauf ob meine Punkte noch drin waren, das waren sie – Inklusion und Atomausstieg standen drin! Dabei übersah ich, dass bei Inklusion aus

der Umsetzung einer gezielten Sprachförderung

Das bedeutet nicht nur Sprachkurse fordern

wurde. Warum mir dieser “Fehler” dies zu übersehen unterlief, kann ich nur mit einem erklären: Ich hatte Vertrauen in alle Göttinger Piraten.

Am Montag den 6.6.11 trafen wir Piraten uns wieder zum Stammtisch, diesmal war sogar Andreas Schelper anwesend. Ich freute mich, dass er da war, obgleich er letzte Wahlprogramm-Treffen versäumte. Ich fragte in die Runde ob es sich das Wahlprogramm nun für alle gut anfühlt, es war mir wichtig, dass Konsens herrscht. Besonders wichtig war mir, dass Andreas Schelper dem Wahlprogramm zu stimmte da er bei der Ausländerbehörde Göttingen beschäftigt ist. Die Essenz war – wir haben ein Klasse Wahlprogramm – Andreas Schelper und Martin Rieth beantworten meine Frage nicht – sie schwiegen – und wie ich heute glaube genossen sie den Moment.

Am Samstag darauf den 11.06.11 erkundigte ich mich bei Meinhart nach dem Sachstand – wie weit die Druckerei ist und bat abermals um eine Version der Druckdatei die er mir sogleich übersendete – hier –

Aus

wurde

darunter noch Fetzen des zusammen erarbeiteten Inhalts zum Thema Inklusion und auch die Forderung nach Sprachkursen sprang mir nun ins Auge.

Auch die Erklärung von Erich zu Inklusion war gelöscht – weg, als ob sie nie da gewesen wäre.

Ich brach zusammen, nicht nur im sprichwörtlichen Sinn. Wut mischte sich mit Enttäuchung und Verzweiflung. Tränen.

Nach dem ich mich wieder gefangen hatte, hinterfragte ich was in mir vorging. Ich reflektierte eine tiefe emotionale Verkettung mit dem Thema Inklusion Menschen gegenüber in mir.

M. eine 16 jährige Schülerin des Heinberg-Gymnasium und Tochter meiner Partnerin brachte mich auf Inklusion, ein Abend vor der Großdemonstration gegen Atomkraft in Göttingen erklärte sie mir den Begriff, während sie mit ihrer Mutter ein Transparent malte – ich fand es Klasse, dass es eine Begrifflichkeit gibt, die mein Empfinden jedem Menschen gegenüber so widerspiegelt. M., die von sich selbst sagt das sie – maximal pigmentiert – ist und diese Hautfarbe ihrem in der Entwicklungshilfe tätigen haitianischen Vater zu verdanken hat.

Ich reflektierte weiter – ich fand die Enttäuschung die ich mit den Piraten erlebte. Jemand musste die Punkte heimlich umgeschrieben haben. Ich fühlte Macht die ausgeübt wird – und dies nicht mal direkt, greifbar – sondern hinterrücks, hämisch grinsend. Es blieb eine große Wut – alle Ziele dahin: Konsens, Transparenz, Demokratie – die Grundfesten der Göttinger-Piraten waren aus meiner Sicht abhanden gekommen.

Zudem Sprachkurse fordern – ganz und gar nicht meine Sache. Dabei habe ich ein Bericht aus dem Fernsehen im Kopf – eine Sprachschule für südafrikanische Haushälterinnen die dort deutsch lernen müssen, damit die Hausherrin sich auch ja mit ihr auf Deutsch verständigen kann. Westerwelle im Kopf – wir sprechen deutsch, dass ist Deutschland hier.

Eine Bereicherung durch jeden menschlichen Fingerprint wird nicht mehr fokussiert. Sarrazin hat sein Ziel erreicht – so wie ich glaube auch bei den Piraten.

Grafik aus Wahlprogramm by Piraten Göttingen – mein Name immer noch drin

Etwas ruhiger rief ich Meinhart an, fragte was es mit dem editieren auf sich hat, wollte wissen wer das war und warum das geschah. Nach einigen Minuten rumeiern gestand er mir: Martin Rieth und Andreas Schelper formulierten die Passagen um. Eine Begründung kam nicht.

Ich schrieb am gleichen Tag noch auf die Mailingliste und erkundigte mich, was das soll – was man sich erlaubt Texte von anderen Piraten ohne Rücksprache und trotz Anwesenheit bei allen Treffen intransparent zu löschen und nach eigenem Gusto umzuschreiben. Viele antworteten – nur die Protagonisten schwiegen!

Tobias Schleuss schrieb auf die offene ML der Göttinger Piraten:

Hallo Uli, hallo zusammen,
mit dem Programm ist in der Tat ein bischen was schief gelaufen. Angefangen von der späten Bearbeitung bis hin zu diesem Google-Pad bis zur hektischen Finalisierung. Unser letzter gemeinsamer Entwurf zum Thema Inlusion ist immer noch im Piratenpad vorhandend ( http://goettingen.piratenpad.de/62 ) und wir sollten daraus einen weiteren Themenflyer gestalten.

Meinhart schrieb:

Das mit dem Konsens ist eine komplizierte Sache

Andreas Neugebauer – Vorsitzender Delmenhorst schrieb:

Nur mal am Rande – es gibt in NDS 3 vom LPT ernannte Vetrauenspiraten
die sicherlich gerne bereit wären in Eurem Fall schlichtend
einzugreifen. Vielleicht mag sich ja der eine oder andere an einen von
uns dreien wenden.

Ich konnte mir zwar nach Faktenschaffung nicht mehr vorstellen was da zu schlichten sei, transportierte aber den Vorschlag in einer weiteren Mail: Vermittlung Vertrauenspirat – Reaktion: Null!

Jason Peper schrieb:

Unabhängig davon wer wieviel Mist gebaut hat und warum, möchte ich darum bitten dass ihr versucht es nochmal intern zu lösen. Wir sind kurz vor’m Wahlkampf und wir brauchen die Schiedsrichter da eher. Ich würde
“meinen” Schiedsrichter nur ungern teilen.

Erich Wutschke schrieb mir privat, deshalb nur sinngemäße Zusammenfassung:

Jetzt aber mal den Ball flach halten, schließlich ist Wahlkampf

Andreas Schelper schrieb und sagte:

Nichts! Er sitzt weiter in seinem Kabuff mit manikürten Fingern am Schreibtisch und führt Anweisungen und übt Macht aus.

Auf der Kontaktseite des Vorstands der Piratenpartei Göttingen benutzt er nicht mal seinen realen Namen, dort heißt er Andi Tracktuner (Beisitzer).

Was mich betrifft hat die Sache hiermit sein Höhepunkt gefunden – am Sonntag wird gewählt!

Provozieren lasse ich mich von neuerlichen wadenbissen nicht mehr.

Niemand ist illegal! Niemand ist belanglos!

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