Grundeinkommen – Ralph Boes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Artikel 1 (1)

 

Am letzten Wochenende war ich auf einem Vortrag des Berliner Philosoph und Buchautor Ralph Boes in Göttingen. Mit etwas muren hatte ich Tage vorher den Flyer bei meiner Gefährtin wahrgenommen das ein KulturForum: Christentum und Nachhaltigkeit eine Veranstaltungsreihe von Ende August bis Ende September ’11 durchführt. Störer war für mich das dies im Kontext mit bevorstehenden Papstbesuch im Eichsfeld am 23. September stattfindet. Ich bin kein Freund von hohen Priestern, wie man hier nachempfinden kann.

Aber ich unterhielt mich mit meiner Freundin darüber und entschied mich gegen meine Bauernschlauheit „Was der Bauer nicht kennt frisst er nicht“ zusammen mit ihr hinzugehen. Zum meinem Glück!

Thema des Vortrags von Ralph Boes am 3.9.11 im Holbornschen Haus war: Grundeinkommen, ein christliches Gebot? – Die Inhalte und das Vergnügen das ich an diesem Abend erfuhr fehlt mir zu vermitteln. Ich kann nur, gleich unter welcher Überschrift Ralph Boes in eure Stadt kommt und Vorträge hält, empfehlen diese Veranstaltung zu besuchen.

Ein kurzen Ausschnitt des Erlebten an diesem Abend möchte ich denoch schildern:

Herr Boes, mittlerweile hatte er sich einen Button mit der Aufschrift „Ich bin Hartz 4“ angeheftet, stand vor uns Gästen und zerknüllte ein Stück Papier, warf es hin, alle Anwesenden schauten dem Stück Papier nach das unter die Stuhlreihe rollte – beobachtend bemerkte ich diese natürliche Resonanz. Boes erzählte dann er habe genau dies bei seiner Fallmanager*in getan, sie hätte es dann aufgehoben. Er hob das zerknüllte Papier vom Boden wieder auf – erzählte das er seiner Fallmanager*in das Stück Papier aus der Hand nahm, dann zerknüllte er das Papier abermals, warf es hin, zeigte mit dem ausgestreckten Finger auf den Fetzen und schrie:

 

Sie heben das jetzt verdammt nochmal auf, sonst passiert aber was.

Und genau das ist Hartz4, sagte Ralph Boes zu uns Gästen und seinen Schilderungen zu folge auch zu seiner Fallmanager*in.

 

Gute Begründung, neben wielen weiteren die ich an diesem Abend erfuhr, für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Muss man erleben.

 

Abschliessend nicht das man nicht gerne in Vorträge geht um sich selbst zu zu hören. Nein – besser, ich konnte etwas über mich erfahren. Mir wurde erklärt warum ich mich nicht mehr bücke um das sprichwörtliche Papier aufzuheben, warum ich damit nicht in Resonanz gehe: Weil ich kerngesund bin – also doch nicht bekloppt bin.

Danke Ralph Boes!

 

Im folgenden noch Ausschnittweise den ersten Teil seines Brandbriefs an die Bundesregierung, der vollständig hier gelesen werden kann.

Sehr geehrter Bundespräsident, Herr Christian Wulff,
sehr geehrte Bundeskanzlerin, Frau Dr. Merkel,
sehr geehrte Arbeitsministerin, Frau von der Leyen,
sehr geehrter erster Vorsitzender des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit, Herr Dr. Weise,
sehr geehrter Geschäftsführer im Jobcenter Mitte, Berlin, Herr Schneider,

wir alle sind Bürgerinnen und Bürger eines Staates, der sich ein Grundgesetz gegeben hat, in dem es im ersten Satz schon heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Für viele mag dieser Satz vielleicht nur noch wie ein Sandkorn erscheinen, welches längst unter dem Druck der Ereignisse abgeschliffen und in den Sedimentschichten schier unübersehbarer Anzahlen weiterer politischer Entscheidungen und Gesetze untergegangen ist – und man wird leicht als weltfremd, ja fast schon als Phantast betrachtet, wenn man die derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen noch am Maßstab eines solchen Satzes misst.

Wir können ihn aber nicht umgehen. Gehoben als tiefe Lehre aus den unglaublichen Verbrechen des Dritten Reichs, befestigt als Willensentscheid und Verpflichtung, die unbedingt eingehalten werden müssen, ist er der Grundstein unserer Republik.

So sehr ist er der Grundstein, dass eines Tages die Historiker, wenn sie rückschauend die Bundesrepublik betrachten, sagen werden:

„Nicht ein König oder Kaiser, wie durch über 1000 Jahre davor, nicht ein Diktator wie danach, sollte der Bundesrepublik Deutschland ihren inneren Traggrund und ihre innere Rechtfertigung geben, sondern der gemeinsame Wille des Volkes und seines Rechtswesens, die Würde des Menschen unbedingt zu achten und zu schützen.“

Und selbstverständlich werden diese Historiker Aufstieg, Entfaltung – und gegebenenfalls das Scheitern dieser Republik an diesem, von der Bundesrepublik sich selbst gestellten, Ideale messen.

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